Schmerzhafte Analyse und ein neuer Anfang
Großprojekte, neues Anwohnerparken, Sportanlagen an anderer Stelle und vor allem der Start des City-Outlets am 24. September 2026 standen im Blickpunkt des FDP-Ortsparteitages 2026. Und damit standen die Mega-Projekte auch im Blickpunkt des Ortsparteitages im März. Unumgänglich war aber zu allererst ein bitterer Blick zurück: „Das Jahr 2025 war auf allen Ebenen kein gutes Jahr für die FDP.“
Mit diesen glasklaren und bestimmt nicht leichten Worten hat Petra Krieger-Brockmann ihren Rechenschaftsbericht beim Ortsparteitag begonnen. Erst ein schwaches Europawahlergebniss, dann die Niederlage im Bund und schließlich die Kommunalwahl im September 2025 mit am Ende nur noch einem Mandat im Stadtrat: Bei der fälligen Analyse gab es nichts schönzureden. Dennoch wusste die Ortsvorsitzende ihre Mitglieder zu motivieren: „An eurem Einsatz kann es nicht gelegen haben.“
Neben regulären Ortsvorstandssitzungen habe es sieben Vor- und Nachbereitungstreffen mit dem schlagkräftigen Wahlkampfteam gegeben. Die mit jungen Leuten verstärkte kleine Truppe habe sich um zehn Infostände, 5.000 Teamflyer und 7 mal 500 Kandidatenflyer, sowie um die Plakatierung gekümmert, sagte Krieger-Brockmann. Groß sei die Enttäuschung gewesen, als am Wahlabend schnell klar wurde, dass die FDP mit nur noch einem Mandat auch den Fraktionsstatus verlieren sollte.
Auch der bisherige Fraktionsvorsitzende Ratsherr Lukas Lambrecht ging in seinem Rechenschaftsbericht auf die dramatischen Folgen der Niederlage ein. Allein durch das Zusammengehen mit der SPD (vier Mandate) sei der wichtige Fraktionsstatus noch zu sichern gewesen, sagte er. Sonst wären Ausschusssitze und politischer Einfluss über eigene Anträge vollständig verloren gegangen. Mit dem zuletzt noch beigetretenen Bündnis Soziales Bad Lippspringe (BSB) kam die neue Fraktionsgemeinschaft auf sechs Mandate.
In den Haushaltsberatungen zum Jahreswechsel konnte die FDP dazu beitragen, dass die von der Verwaltung vorgeschlagene Erhöhung der Grundsteuer B nicht auf 639 Punkte, sondern deutlich milder mit 575 Punkten ausfiel. Lambrecht: „Unser Ziel war es, die weitere Belastung der Bürger soweit wie möglich zu minimieren.“ Der FDP-Wunsch, die Gewerbesteuer unverändert zulassen, scheiterte an den Mehrheitsverhältnissen.
Mit dem beginnenden Jahr 2026 war die Partei sofort wieder in die Beratung mehrerer Großprojekte eingebunden, die erhebliche finanzielle Auswirkungen auf die Finanzlage der Stadt haben werden. Der Bau einer neuen Zweifachsporthalle (Kosten 6,5 Millionen Euro) wurde mit einem Sperrvermerk zunächst gestoppt. Die Haltung zur bevorstehenden Eröffnung des City-Outlets bleibt grundsätzlich zustimmend, trotz erheblicher Risiken. Reinhard Brockmann, Mitglied im Arbeitskreis City-Outlet: „Dies ist womöglich die letzte große Chance, den Leerstand der Geschäfte in der Innenstadt wirkungsvoll zu bekämpfen.“ Niemand wisse zu 100 Prozent, ob alles gelingt, was man sich vorgenommen habe. Aber jetzt gelte es, den eingeleiteten Prozess auch durchs Ziel zu bringen. Die FDP will in der Fraktionsgemeinschaft als Stimme des Mittelstande das Bewusstsein für die besondere Lage der seit langem etablierten Geschäfte und der ansässigen Dienstleister (Ärzte, Gesundheitsangebote, Handwerker) stärken. Den Einzelhändlern geht es besonders um die Erreichbarkeit ihrer Ladenlokale. Zugleich fürchten deren Mitarbeiter den Verlust von Parkraum im unmittelbaren Umfeld.
Bei den Vorstandswahlen unter Leitung des neuen FDP-Kreisvorsitzenden Frank van Koten kam es zur Wiederwahl auf ganzer Linie: Vorsitzende Petra Krieger-Brockmann, Stellvertretender Ortsvorsitzender Lukas Lambrecht, Schatzmeisterin Gisela Hauk, Schriftführer Reinhard Brockmann, Beisitzer Jan Düsterhus und Angelika Mikus, Seniorenbeauftragte Ingrid Schulte, Kassenprüfer Peter Brackmann, Lars Schmelter und Andreas Kother.
Eine von vielen Konsequenzen im Ortsverband: Wegen knapper Kassen soll es keine Geschenke bei runden Geburtstagen mehr geben. Zudem muss der ermäßigte Mindestbeitrag von 5,00 Euro auf 7,00 Euro heraufgesetzt werden. Hintergrund: Wegen der Pflichtabgaben an Bundes-FDP (2,20 €) und Kreispartei (4,30 €) kann nicht länger draufgezahlt werden. Der Ortsverband hat 25 Mitglieder, mit einem Altersdurchschnitt von mehr als 60 Jahren.