Bandwurmtitel statt Margot Abrahams-Schule

Margot Abrahams
Holocaust-Opfer Margot Abrahams aus Bad Lippspringe

Der Rat der Stadt hat nach elf Jahren die offizielle Bezeichnung vorgestellt: „Gesamtschule an der Lippequelle - Naturerbeschule der Stadt Bad Lippspringe“. Kaum kürzer ist ein weiterer Titel das Gebäude nebenan: „Grundschule an der Lippeaue - Evangelische Bekenntnisschule der Stadt Bad Lippspringe“. Der gesamte Bereich aus Gesamtschule und Evangelischer Grundschule heißt künftig:  „Schulzentrum an der Lippe“ (bisher: „Schulzentrum Im Bruch“). FDP-Vorsitzende Petra Krieger-Brockmann: „Das sind Bandwurmtitel, sehr bürokratisch, aber geografisch nicht ganz zutreffend.“

Die vor elf Jahren gegründete Gesamtschule hatte sich erst im September 2022 zu einer „Schule Ohne Rassismus - Schule mit Courage“ erklärt. Auch deshalb lautete der FDP-Vorschlag bei der Namensfindung, in die der Stadtrat einbezogen war: „Margot Abrahams-Schule“. Das jüdische  Mädchen war 1944 von den Nazis im KZ Auschwitz ermordet worden. Die damals 15jährige Margot ist neben Berta Edelmann (14) das jüngste Holocaust-Opfer aus Bad Lippspringe. Der Arbeitskreis Stolpersteine und der Heimatverein haben im Frühjahr 2024 weitere Details insbesondere über Berta Edelmann sichern können. Auch das zeigt, dass sich die Auseinandersetzung mit dem Titel lohnt.

FDP-Ratsfrau Petra Krieger-Brockmann begründete Ihren Vorschlag für einen Schulnamen so: „Gleichaltrige Schüler/-innen können sich gut mit diesen von den Nazis bestialisch umgebrachten Mädchen identifizieren. Unserer Gesamtschule dürfte die Auseinandersetzung mit der Judenverfolgung stetiger Ansporn und Motivation sein - auch um in der Zukunft an diesem Thema zu bleiben und sich gegen jede Art von Diskriminierung einzusetzen.“ 

Die Selbstverpflichtung zur „Schule ohne Rassismus folgt einem Impuls, der von der Schulgemeinschaft ausgegangen ist. 70 Prozent der Schülerschaft hatten sich 2022 für die Bezeichnung „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“  ausgesprochen. Das setze ein deutliches Zeichen. Zivilcourage und Engagement sind aktuell wichtiger denn je, so Krieger-Brockmann. Darüber hinaus befinde sich das Elternhaus von Margot Abrahams in der  Mühlenflößstraße 8, also in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule. Vier Stolpersteine vor dem Wohnhaus erinnern seit einigen Jahren an die Familienmitglieder. In der Datenbank von Yad Vashem (Jerusalem) sind die Daten der Familie dokumentiert.

 

 

Margot Abrahams Lebenslauf und Leidensweg 

                                                                           

*30.01.1929 in Bad Lippspringe oder Gladbeck (wie der ältere Bruder Josef)

† 16.10.1944 in Auschwitz mit 15 Jahren

 

Lebensstationen:

-          Mühlenflößstr. 8

-          1939 mit Fluchthilfe nach Holland, verschiedene Orte

-          05.12.1941 Rückkehr nach Deutschland

-          28.07.1942 Deportation im Alter von 13 Jahren ab Paderborn Bahnhof Kasseler Tor,

-           31.07.1942 Theresienstadt,

-           16.10.1944 Auschwitz

Eltern:    Hermann (1892 – 1944) und Else Abrahams, geb. Goldstein (1896 – 1944)

Bruder:   Josef Abrahams (1921 – 1941)

 

 

 

[1] Stadt Lippspringe und Heimatverein (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte , Bonifatius, 1995, S. 527, 534

[2] Heimatverein Bad Lippspringe: Gegen das Vergessen, 2018: 12

[3] Vgl. www.dokin.nl: dort wird als Geburtsort Bad Lippspringe angegeben.

[4] Vgl. www.stolpersteine-bad-lippspringe.de: Geburtsort Gladbeck